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Imker werden: Kosten, Ausrüstung und Kurse für Einsteiger in Deutschland

Was braucht man um Imker zu werden? Kosten, Ausrüstung, Kurse und erste Schritte in die Imkerei – der komplette Leitfaden für Einsteiger in Deutschland.

Geprüftes Expertenwissen · Quellen: Deutscher Imkerbund e.V. (D.I.B.), Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG), bienen&natur – Deutsches Bienen-Journal

Warum Imker werden? Zahlen und Hintergründe

Deutschland erlebt seit Jahren einen anhaltenden Imkerboom. Die Zahl der Bienenvölker ist von rund 670.000 im Jahr 2007 auf über eine Million im Jahr 2022 gestiegen, betreut von rund 150.000 Imkerinnen und Imkern. Besonders die Stadtimkerei hat in den letzten Jahren stark zugenommen – in Berlin, Hamburg und München halten Tausende Menschen Bienen auf Dachterrassen, in Kleingärten oder auf Firmengeländen.

Dahinter steckt mehr als ein Trend: Die Biene ist das drittwichtigste Nutztier Deutschlands, und ihr volkswirtschaftlicher Nutzen durch die Bestäubungsleistung wird auf rund vier Milliarden Euro jährlich geschätzt. Wer Imker wird, leistet also nicht nur einen persönlichen Beitrag zur Artenvielfalt, sondern auch zur Nahrungsmittelproduktion.

Schritt 1: Einen Anfängerkurs besuchen

Der erste und wichtigste Schritt auf dem Weg zur eigenen Imkerei ist ein qualifizierter Anfängerkurs. Eine formale Ausbildungspflicht gibt es in Deutschland zwar nicht, aber ohne Grundwissen sind Fehler unvermeidlich – und Fehler bei der Bienenhaltung bedeuten in der Regel den Verlust des gesamten Volkes.

Anfängerkurse werden bundesweit von regionalen Imkervereinen, Landesimkerverbänden und privaten Imkerschulen angeboten. Die Kosten liegen je nach Umfang zwischen 190 Euro und 350 Euro. Inhalte eines guten Kurses umfassen: Biologie der Honigbiene, das Bienenjahr im Überblick, Durchführung von Durchsichten, Honigernte, Varroa-Behandlung und rechtliche Grundlagen.

Beispiele konkreter Kursangebote:

  • Thüringen (LVThI): Erwachsene zahlen 350 Euro, Jugendliche bis 17 Jahre 175 Euro. Im Preis enthalten: Kursmappe und eine einjährige kostenlose Mitgliedschaft in einem Thüringer Imkerverein inklusive Versicherung.
  • Mecklenburg-Vorpommern (LIMV): Kursgebühr 190 Euro (für Verbandsmitglieder 140 Euro), verteilt auf vier Schulungstage am Wochenende.
  • Bundesweit bei Stadtbienen.org: Jahreskurse mit ökologischem Ansatz in Kleingruppen, bei denen man ein vollständiges Bienenjahr in Theorie und Praxis erlebt.

Ergänzend empfiehlt sich der Beitritt in einen lokalen Imkerverein. Die Mitgliedschaft kostet rund 100 Euro pro Jahr und beinhaltet üblicherweise eine Versicherung, Zugang zu Gemeinschaftsgeräten (Honigschleuder, Wachsschmelzer) und die Unterstützung erfahrener Paten.

Schritt 2: Die richtige Ausrüstung beschaffen

Wer mit der Imkerei beginnt, braucht zunächst keine professionelle Vollausstattung. Für den Einstieg mit zwei Bienenvölkern reicht folgende Grundausrüstung:

Schutzkleidung

Eine Imkerbluse mit integrierten Schleier und passende Handschuhe sind unverzichtbar. Preisbereich: 60–150 Euro für die Bluse, 10–25 Euro für Handschuhe. Als Alternative zum Vollanzug genügt für die meisten Durchsichten Bluse plus normale dunkle Hose.

Bienenwohnungen (Beuten)

Für Einsteiger in Deutschland empfiehlt sich das regionale Beutenmaß: Zander in Süddeutschland und Bayern, Deutsch-Normalmaß (DNM) im Norden. Diese Wahl ist wichtig, weil Zargen, Rähmchen und Absperrgitter nur innerhalb eines Systems austauschbar sind – und man auf Material von erfahrenen Imkern im Verein angewiesen ist. Preis pro Komplettbeute (zwei Zargen, Boden, Deckel): 150–250 Euro neu, oft günstiger gebraucht.

Werkzeuge

Stockmeisel (8–15 Euro), Stockbesen (5–10 Euro) und Smoker (25–60 Euro) sind die drei Werkzeuge, ohne die kein Imker auskommt. Ein Stockmeisel hat eine abgewinkelte Klinge zum Heben der Zargen und zum Lösen von Propolis-Verbindungen; ein qualitativ hochwertiger Smoker hält die Glut länger und gibt weniger Rauch an den Imker ab.

Gesamtkostenüberblick

Die Gesamtinvestition für den sicheren Einstieg in die Imkerei mit zwei Bienenvölkern beläuft sich auf circa 1.500 bis 2.000 Euro:

  • Anfängerkurs: 250–350 Euro
  • Zwei Beuten mit Zubehör: 400–600 Euro
  • Schutzkleidung: 80–180 Euro
  • Werkzeug (Meisel, Besen, Smoker): 50–90 Euro
  • Zwei Bienenvölker: 300–600 Euro (Ableger oder Schwarm)
  • Vereinsmitgliedschaft inkl. Versicherung: 80–120 Euro/Jahr

Schritt 3: Bienen anschaffen

Für den Einstieg empfehlen Experten ausdrücklich zwei Bienenvölker. Mit einem einzigen Volk hat man keinen Vergleich und keine Reserve: Wenn eine Königin ausfällt oder ein Volk zu schwach wird, ist man handlungsunfähig. Mit zwei Völkern kann man Waben, Bienen und Futter zwischen den Völkern ausgleichen.

Bienen kauft man als Ableger (Kunstschwarm mit begatteter Königin) oder Naturwarm. Ableger kosten je nach Region und Rasse 80–180 Euro; gut begattete Königinnen der Carnica-Rasse sind in Deutschland am weitesten verbreitet und bei Imkervereinen erhältlich. Naturschwarme sind günstiger oder kostenlos, aber unkontrollierter in Herkunft und Charakter.

Schritt 4: Rechtliche Grundlagen beachten

Bienenhaltung in Deutschland erfordert eine Anmeldung bei der zuständigen Behörde (je nach Bundesland beim Veterinäramt oder der Tierseuchenkasse). Die Anmeldung ist kostenlos und verpflichtend. Sie ist Voraussetzung für behördliche Tierseuchenmeldungen und Entschädigungsleistungen im Seuchenfall.

Wer Honig verkauft oder auch nur verschenkt und dabei apothekenpflichtige Varroamittel verwendet, ist nach dem Tierarzneimittelgesetz (TAMG) zur Führung eines Bestandsbuches verpflichtet. Bienenhaftpflichtversicherungen sind über die meisten Imkerverbände mit der Mitgliedschaft abgedeckt.

Fazit: Imkern lernt man durch Imkern

Kein Buch und kein Kurs ersetzt die praktische Erfahrung am Volk. Der wichtigste Rat erfahrener Imker lautet: Einen Paten suchen, der im ersten Jahr bei den Durchsichten dabei ist, Fragen beantwortet und im Notfall helfen kann. Das Bienenjahr verzeiht keine langen Unterbrechungen – aber mit dem richtigen Einstieg und der Unterstützung eines Imkervereins ist der Weg zur eigenen Imkerei gut machbar.

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Quellen & Fachbehörden

  • Deutscher Imkerbund e.V. (D.I.B.)
  • Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG)
  • bienen&natur – Deutsches Bienen-Journal

⚠️ Kein Ersatz für tierärztliche Beratung oder amtliche Vorschriften. Bei Unsicherheiten immer das zuständige Veterinäramt oder einen Imker-Fachberater kontaktieren.

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