Warum schwärmen Bienen und was passiert dabei?
Das Schwärmen ist der natürliche Vermehrungsinstinkt des Bienenvolkes. Es ist kein Zeichen schlechter Imkerei, aber es bedeutet für den Imker: Bis zu 60 % seiner Bienen und die erfahrene alte Königin verlassen den Stock. Die zurückbleibende Hälfte braucht Wochen, bis eine neue Königin begattet ist und die Volksstärke sich wieder aufgebaut hat. In dieser Zeit fällt die Honigernte weitgehend aus. Ein abgegangener Schwarm ist wirtschaftlich spürbar.
Ein Vorschwarm besteht typischerweise aus 10.000 bis 20.000 Bienen und zieht mit der alten Königin aus. Danach können noch ein oder mehrere Nachschwärme mit jungen, noch unbegatteten Königinnen folgen. Der Schwarm sammelt sich zunächst in einer Schwarmtraube – oft am nächsten Baum oder Gebäude – und zieht dann in wenigen Stunden in ein neues Quartier.
Wann beginnt die Schwarmzeit?
Die Schwarmzeit beginnt in Deutschland in der Regel Ende April bis Mitte Mai und dauert bis Mitte Juli. Ihr Höhepunkt liegt meist in den letzten Maiwochen und Anfang Juni. Regionale und jahreszeitliche Unterschiede sind beträchtlich: Im Rheintal kann die Schwarmzeit früher einsetzen als in Norddeutschland oder Mittelgebirgslagen.
Massentrachten wie die Rapsblüte wirken als starker Schwarmstimulus: Ein explodierendes Futterangebot treibt die Entwicklung des Volkes und damit den Schwarmtrieb voran. Umgekehrt kann eine Trachtlücke Schwarmstimmung etwas dämpfen.
Der Kontrollrhythmus: Warum alle 7–9 Tage?
Dieser Rhythmus ergibt sich aus der Biologie der Königin: Von der Eiablage in eine Weiselzelle bis zur Verdeckelung der Zelle vergehen genau 9 Tage. Ein verdeckelter Schwarmzelle kann der Schwarm jederzeit abgehen. Wer also alle 9 Tage kontrolliert, findet im besten Fall nur offene, noch nicht verdeckelte Zellen – und hat Zeit zu reagieren. Sicherer ist ein wöchentlicher Rhythmus, da Besuche auf Wochenenden entfallen und ein Tag Puffer nicht schadet.
Ab Beginn der Obstblüte gilt: Schwarmkontrolle mindestens alle 7–9 Tage, konsequent und ohne Ausnahmen. Wer eine Durchsicht versäumt, riskiert das Abschwärmen.
Spielnäpfchen versus Weiselzellen: Der entscheidende Unterschied
Ein häufiger Irrtum von Anfängern: Die bloße Anwesenheit von Näpfchen bedeutet noch keine Gefahr.
- Spielnäpfchen: Leere, napfartige Gebilde an den Wabenkanten oder -unterkanten. Sie werden ganzjährig gebaut und sind ein normaler Teil des Wabenbaus. Ihre Öffnung zeigt nach unten. Solange kein Ei oder keine Larve darin sichtbar ist, ist kein Handlungsbedarf.
- Bestiftete Weiselzellen (offene Weiselzellen): In der Zelle ist eine Larve im Gelée Royal zu sehen. Die Bienen haben die Zelle vergrößert und die Innenwände blank geputzt. Jetzt läuft die Uhr: In etwa 8 Tagen ist die Zelle verdeckelt.
- Verdeckelte Weiselzellen: Höchste Alarmstufe. Der Schwarm kann stündlich abgehen. Sofortmaßnahmen sind notwendig.
Weiselzellen erkennt man an ihrer charakteristischen Form: Sie sind deutlich größer als normale Brutzellen, sehen aus wie eine Erdnuss oder ein nach unten hängender Fingerhut und sitzen ausschließlich an den Rändern oder der Unterkante der Brutwaben.
Die Kippkontrolle: Effizient beim zweiräumigen Brutraum
Die meisten deutschen Imker verwenden einen zweiräumigen Brutraum. Die Kippkontrolle ist hier die effizienteste Methode: Die obere Brutzarge wird vorsichtig angehoben und so auf die Kante der unteren Zarge gestellt, dass die Unterseite der oberen Zarge inspiziert werden kann. An dieser Unterseite – also an den Unterkanten der Rähmchen und in den Wabengassen – findet man die meisten Weiselzellen. Diese Methode gelingt am besten zu zweit und ist schonender für die Bienen als das vollständige Ausräumen beider Zargen.
Bei einräumigem Brutraum (z. B. Dadant oder Einraumbeute) muss jede Wabe einzeln gezogen werden. Wenn viele Bienen auf den Waben sitzen, empfiehlt es sich, sie vorsichtig abzustoßen, um keine Zelle zu übersehen. Besonders genau prüfen: die Rähmchen am Rand und der Drohnenrahmen.
Schwarmverhinderung: Was tun, wenn Weiselzellen gefunden wurden?
Methode 1: Weiselzellen brechen
Jede bestiftete Weiselzelle wird sorgfältig mit dem Daumennagel oder Stockmeisel gebrochen. Wichtig: Auch eine einzige übersehene Zelle kann zum Schwarmabgang führen. Diese Methode muss alle 7–9 Tage wiederholt werden, solange das Volk in Schwarmstimmung ist. Sie ist die einfachste, aber arbeitsintensivste Lösung.
Methode 2: Ableger bilden (Schwarmvorwegnahme)
Dies ist die eleganteste und biologisch sinnvollste Methode. Man entnimmt dem schwarmwilligen Volk eine oder mehrere Brutwaben mit jungen Bienen sowie – entscheidend – die alte Königin und setzt sie als eigenständigen Ableger in eine neue Beute. Das Muttervolk erhält eine der besten Weiselzellen; alle anderen werden gebrochen. Das Muttervolk denkt nun, es habe geschwärmt, und der Schwarmtrieb erlischt. Gleichzeitig hat man ein neues Volk gewonnen.
Methode 3: Flugling/Fegling bilden
Der Brutraum mit der alten Königin wird auf einen neuen Standort (Fegling) versetzt. An den alten Platz kommt ein neuer Kasten mit Mittelwänden (Flugling). Die heimkehrenden Flugbienen – die erfahrensten Sammlerinnen – landen beim Flugling. Beide Einheiten müssen danach mit Weiselzellen oder Königinnen versorgt werden. Die Methode reduziert Schwarmtrieb effektiv, weil das Volk durch die räumliche Trennung die „Schwarmstimmung" verliert.
Was tun, wenn ein Schwarm abgegangen ist?
Wurde ein Schwarm beobachtet oder fehlt ein erheblicher Teil der Bienen, gelten folgende Schritte:
- Schwarm orten und einfangen, wenn möglich. Schwarmkiste (oder Pappkarton) darunter halten, Schwarmtraube mit einem kräftigen Schütteln des Astes hineinfallen lassen. Flugloch kurz öffnen: Sterzeln die Bienen, ist die Königin dabei.
- Schwarm kühl und dunkel bis zum Abend aufbewahren (Kellerhaft), dann in eine neue Beute mit Mittelwänden einschlagen.
- Im Altvolk alle Weiselzellen kontrollieren. Wenn möglich, nur die beste Zelle stehen lassen – oder einige Tage warten, bis die junge Königin selbst die anderen Zellen ausräumt.
- Keine Kontrolle des Altvolkes für mindestens 14 Tage nach dem Schlupf der neuen Königin – sie braucht Ruhe für ihre Begattungsflüge.
Gemäß §961 BGB verliert ein Imker sein Recht auf einen abgegangenen Schwarm, wenn er die Verfolgung nicht „ohne schuldhaftes Zögern" aufnimmt. Ein schwärmender Schwarm gehört also noch dem Eigentümer – solange er ihn aktiv verfolgt.