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Frühjahrsrevision: So startest du sicher ins Bienenjahr

Frühjahrsrevision ab 10 °C Außentemperatur: Was prüfen, worauf achten? Komplette Checkliste für die erste Bienendurchsicht nach dem Winter.

Geprüftes Expertenwissen · Quellen: Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf (LIB), LAVES Institut für Bienenkunde Celle, Deutsches Bienen-Journal

Warum ist das Frühjahr eine kritische Phase?

Das Frühjahr gilt unter erfahrenen Imkern als die schwierigste und heikelste Phase des gesamten Bienenjahres – schwieriger sogar als der Winter selbst. Im Winter sterben Völker meist durch bekannte Ursachen: Varroa, Hunger oder Feuchtigkeit. Im Frühjahr können dieselben Völker zusammenbrechen, obwohl sie den Winter gut überstanden haben.

Warum? Im Frühjahr vollzieht sich ein stiller Generationswechsel. Die alten Winterbienen sterben ab, während die ersten Sommerbienen schlüpfen. In dieser Phase hält sich die Volksstärke scheinbar konstant oder nimmt sogar leicht ab – erst wenn der Wechsel abgeschlossen ist, setzt das explosive Frühjahrswaachstum ein. Sind die neuen Sommerbienen durch hohen Varroabefall oder schwache Winterbienen von schlechter Qualität, kollabiert das Volk genau in diesem Moment.

Die Frühjahrsdurchsicht gibt dem Imker die Chance, rechtzeitig zu erkennen, in welchem Zustand die Völker wirklich sind – und gezielt einzugreifen.

Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Eine Grundregel gilt bundesweit: Den Stock erst öffnen, wenn die Außentemperatur dauerhaft über 12–14 °C liegt und die Bienen bereits aktiv fliegen. Der erste Reinigungsflug allein ist kein Zeichen – dabei entleeren die Bienen nur ihren Darm. Erst wenn man erste Bienen mit Pollenhöschen zurückkehren sieht, wissen wir: Der Frühling ist wirklich angekommen, das Brutnest wächst, und eine erste vorsichtige Durchsicht ist möglich.

Als Zeitrichtwert gilt Mitte März bis Ende März in der norddeutschen Tiefebene, etwas früher im Rheintal und Südwesten, etwas später in Mittelgebirgslagen und Bayern. Öffnet man zu früh, kühlt das Brutnest aus und die Bienen müssen unnötig Energie aufwenden, um es wieder aufzuwärmen – eine Belastung, die gerade schwache Völker nicht verkraften.

Die Frühjahrsrevision Schritt für Schritt

1. Äußere Beurteilung vor dem Öffnen

Bevor die Beute geöffnet wird, beobachtet man das Flugloch für 2–3 Minuten: Fliegen die Bienen ruhig und zielstrebig? Bringen sie Pollen ein? Liegen viele tote Bienen vor dem Flugloch? Ein starkes Volk fliegt lebhaft und bringt schon bei 10 °C Pollen ein, wenn die Weidenkätzchen oder Schneeglöckchen blühen. Wenige Bienen am Flugloch, kein Polleneintrag und viele Tote auf dem Flugbrett sind erste Warnsignale.

2. Bodenkontrolle

Der Boden (Gitterboden oder Brettwabenboden) wird herausgezogen und geprüft: Wie viele tote Bienen liegen dort? Ist Schimmel zu sehen? Ist Kot auf der Einlage (möglicher Hinweis auf Nosema)? Der Boden wird gereinigt und eine frische Varroa-Windel eingeschoben, um in den folgenden Tagen den natürlichen Milbenfall zu ermitteln.

3. Öffnen der Beute

Zargen werden mit dem Stockmeisel vorsichtig gelöst – Propolis verbindet alle Holzteile fest miteinander. Beim Öffnen ruhig vorgehen: kein Rucken, keine ruckartigen Bewegungen. Rauch sparsam einsetzen; zu viel Rauch verändert das Bienenverhalten und macht die Beurteilung schwieriger.

4. Futtervorrat prüfen

Das ist die wichtigste Einzelkontrolle im Frühjahr. Jedes Volk, das jetzt noch weniger als 4–5 kg Futter eingelagert hat, muss sofort und unverzüglich gefüttert werden. Im Frühjahr treten Hungersnöte auf, weil die Brutentwicklung stark zunimmt – der Futterbedarf steigt schlagartig, während die Außentracht noch nicht in Gang gekommen ist. Ein Volk, das im März verhungert, war oft Ende Februar noch normal.

Fütterung im Frühjahr: Futterteig (Candy) durch das Flugloch schieben oder auf die Oberträger legen. Kein flüssiges Zuckerwasser bei Temperaturen unter 12 °C – das löst Räuberei aus.

5. Völkerstärke und Brutnest beurteilen

Waben nacheinander herausziehen und beurteilen: Wie viele Wabengassen sind mit Bienen besetzt? Wo liegt das Brutnest? Ist offene und verdeckelte Brut vorhanden? Ist das Brutnest kompakt und geschlossen (gutes Zeichen) oder lückig und unregelmäßig (Warnsignal für Krankheit oder schlechte Königin)?

Ein gesundes Frühjahrsvolk sitzt Mitte März auf 4–6 belagerten Wabengassen. Weniger als 3–4 besetzte Gassen bedeutet ein schwaches Volk, das besonderer Fürsorge bedarf.

6. Königin und Eier kontrollieren

Wurde die Königin gesehen? Sind frische Eier vorhanden? Frische Eier stehen senkrecht im Zellboden – mit einer Stirnlampe und Gegenlicht gut zu erkennen. Sind weder Königin noch Eier zu finden, ist das Volk weisellos. Jetzt gilt: Ruhig bleiben, Beute schließen, frühestens nach 3 Tagen erneut prüfen (manchmal macht die Königin eine kurze Legepause). Sind dann noch keine Eier zu sehen, muss das Volk mit einer neuen Königin oder einer Brutwabe mit jungen Eiern aus einem anderen Volk versorgt werden.

7. Völkerstärken ausgleichen

Starke Völker können jetzt schwachen Völkern helfen. Dazu werden eine oder zwei geschlossene Brutwaben mit jungen Bienen aus einem starken Volk entnommen und dem schwachen Volk gegeben. Wichtig: Die entnommene Wabe vor dem Einsetzen kurz abklopfen, damit die Bienen des starken Volkes zurückfliegen und nicht versehentlich eine fremde Königin angreifen. Brutal schwache Völker (unter 2 Waben besetzt, Ende März) sollten vereint werden – ein überleben sie die Schwarmzeit ohnehin nicht.

8. Beute reinigen

Alte Waben mit dunklem, verhärtetem Wachs entnehmen und durch frische Mittelwände ersetzen. Propolis und Wachsreste vom Zargenrand abkratzen. Feuchte oder schimmelige Waben entfernen. Altes Bienenbrot (Pollen) auf überalterten Waben kann Pilze und Bakterien beherbergen.

Futterkranzprobe: Vorbeugung gegen Amerikanische Faulbrut

Einmal jährlich – und das Frühjahr ist der ideale Zeitpunkt – empfehlen die Veterinärbehörden eine vorbeugende Futterkranzprobe auf Amerikanische Faulbrut (AFB). Dabei wird ein Honigstück (ca. 20 g) aus dem Futterkranz eingeschickt und im Labor untersucht. Der Untersuchungsbefund ist 9 Monate gültig. Die Probe ist in den meisten Bundesländern günstig oder kostenlos über das zuständige Veterinäramt zu erhalten.

Dokumentation: Was auf die Stockkarte kommt

Nach jeder Frühjahrsdurchsicht werden alle Beobachtungen sofort notiert: Volksstärke in Wabengassen, Futtervorrat geschätzt in Kilogramm, Königin gesehen oder nur Eier, Zustand des Brutbildes, durchgeführte Maßnahmen. Diese Einträge sind der Ausgangspunkt für alle weiteren Entscheidungen im laufenden Bienenjahr.

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Quellen & Fachbehörden

  • Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf (LIB)
  • LAVES Institut für Bienenkunde Celle
  • Deutsches Bienen-Journal

⚠️ Kein Ersatz für tierärztliche Beratung oder amtliche Vorschriften. Bei Unsicherheiten immer das zuständige Veterinäramt oder einen Imker-Fachberater kontaktieren.

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